Montag, 31. Januar 2005

1. Bamberger Mobilfunksymposium

Wissenschaftler, Ärzte und Bürger haben beim 1. Bamberger Mobilfunk-Symposium eindringlich vor den Gefahren von Mobilfunkanlagen gewarnt. Dass dieses Thema die Menschen stark beschäftigt, zeigte die große Resonanz: Mit mehreren Hundert Besuchern war der Hörsaal im Markushaus der Otto-Friedrich-Universität voll besetzt.

VON MATTHIAS WILL

BAMBERG – „Früher war die Menschheit so schlau, zu reagieren, wenn bestimmte Anhaltspunkte vorlagen. Heute wird gefordert, dass der Zusammenhang zwischen Mobilfunk und Gesundheitsschäden lückenlos nachgewiesen wird. Das ist Unsinn“, sagte Dr. Gerd Oberfeld, Mitarbeiter des Referats für Gesundheit, Hygiene und Umweltmedizin in der Landessanitäts-Direktion in Salzburg. Studien über GSM-Basisstationen – GSM ist ein weltweites Standardsystem für Telekommunikation – hätten belegt, dass sich das Risiko von Stresskrankheiten wie Depressionen oder Schlafstörungen im Umfeld von solchen Anlagen signifikant erhöhe. „Es besteht hier absoluter Handlungsbedarf“, betonte Oberfeld. Entscheidend sei das Verhalten der Konsumenten. „Wenn die Leute wie bekloppt ihr Handy benutzen, ist es kein Wunder, dass immer neue Anlagen errichtet werden.“

Der Berliner Professor Dr. Karl Hecht kritisierte, bei der Festlegung von Grenzwerten seien „der Willkür Tür und Tor geöffnet“. Sie seien nutzlos, wenn der Zeitfaktor nicht mit einbezogen werde. Kurzzeitstudien seien deshalb ohne Aussagekraft. Er, Hecht, habe in über 1000 wissenschaftlichen Arbeiten von russischen Forschern recherchiert. Die Untersuchungen der Wissenschaftler hätten ergeben, dass elektromagnetische Felder langfristig zu teils erheblichen Gesundheitsschädigungen führten. „Ich habe mehrfach versucht, diese Erkenntnisse dem Bundesumweltministerium mitzuteilen. Aber ich bin immer abgewimmelt worden.“ Hecht forderte, dass der verfassungsrechtliche Schutz der körperlichen Unversehrtheit auf dauerhafte Befindlichkeitsstörungen ausgeweitet werden müsse.

Der Nailaer Allgemeinarzt Dr. Horst Eger stellte die so genannte Naila-Studie vor, wonach im Umkreis von 400 Metern von einer Mobilfunkanlage bei den Patienten eine auffällig höhere Krebsrate festgestellt wurde. Eger präsentierte auch eine israelische Studie. Wissenschaftler seien zu dem Ergebnis gekommen, dass in der Region Netanya die Zahl der Krebspatienten im näheren Umkreis von Mobilfunkanlagen erheblich höher sei als in entfernter gelegenen Gebieten. Der Nailaer Arzt kritisierte die Strahlenschutzbehörden, die derartige Forschungen seit Jahren ignorierten. Zu den Vorwürfen von Umweltbehörden, sie hätten wichtige Daten der Studie nicht vorliegen, sagte Eger: „Wir können manche Daten auf Grund unserer ärztlichen Schweigepflicht nicht herausgeben.“ Beim Thema Mobilfunk stünden Politik und Industrie in der Pflicht, „dafür zu sorgen, dass nicht der Eindruck von einer Vermischung gegenseitiger Interessen entsteht“.

„Das Ergebnis der Naila-Studie ist kein Einzelfall“, meinte Dr. Reinhold Jandrisovits, Allgemeinarzt im österreichischen Müllendorf – ein Ort mit etwas über 1000 Einwohnern. Bei seinen Patienten sei die Zahl der Tinnitus-Fälle seit der Errichtung zweier Mobilfunkstationen deutlich gestiegen. Dies sei erst nach einer „Latenzzeit“ von zwei Jahren zum Vorschein gekommen. Auch klagen die Bürger im Umkreis der Anlagen nach Aussage des Arztes zunehmend über Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Muskelverspannungen. Immer mehr Patienten, vor allem jüngere, hätten zudem Krebsgeschwülste. „Als ich mit meinen Kollegen darüber gesprochen habe, wurde ich als Spinner abgetan“, erzählte Jandrisovits, der auch Sprecher der Mobilfunk-Initiative Burgenland ist.

Quelle:
http://www.frankenpost.de/nachrichten/regional/resyart.phtm?id=747552

Bericht vom Mobilfunksymüosium am 29.01.05 in Bamberg

Bericht vom Mobilfunksymposium am 29.1.05 in Bamberg

Eingeladen hatte die Ärtzeinitiative Bamberger Appell unter Leitung von Dr. Helmut Heyn (Foto links) und Frau Dr. Cornelia Waldmann-Selsam. Gekommen waren ins Bamberger Markushaus rund 350 Teilnehmer, neben vielen Ärzten auch Baubiologen, Vertreter von Bürgerinitiativen und Elektrosmoggeschädigte.

Das Programm war übervoll gepackt - 15 Referenten in neun Stunden ! Da musste sogar die Mittagspause ausfallen. In den drei Kurzpausen und zu Beginn und Ende war dennoch reichlich Gelegenheit, mit den Referenten und untereinander ins Gespräch zu kommen.

Welches Fazit und welcher rote Faden ergibt sich aus den Beiträgen der Veranstaltung ?

Die wissenschaftliche Seite (Prof. Hecht, Prof. Warnke) ist sich unterdessen einig, dass die Quantenenergie der Mobilfunkstrahlung zu gering ist, um die Zelle zu ionisieren und damit direkt zu schädigen.

Elektromagnetische Felder (EMF) werden aber mit absoluter Sicherheit als einer von mehreren Stressoren angesehen, die die Bildung von freien Radikalen auslösen sowie deren Gegenspieler, die Antioxidantien verringern können.

Die freien NO-Radikale können lt. Prof. Ulrich Warnke im Körper zu nitrosativen-/oxidativen Stress führen, woraus sich folgende physiopathologische Folgen ergeben:

· Störung der Mitrochondrientätigkeit
· Störung der Zuckerverwertung
· Störung der Neurotransmitterfunktion
· Störung der Apoptose (programmierter Zelltod)
· Erzeugung von vererbbaren Mutationen
· Superoxid- und Peroxinitritbildung (hochtoxisch)
· u.a. Störungen

Prof. Karl Hecht wies insbesondere auf die Bedeutung der Einwirkdauer von EMF hin. In den ersten 5 bis 30 Minuten passiert nichts bzw. ergibt sich sogar eine Zustandsverbesserung. Erst ab 30 Minuten sind negative Einflüsse erkennbar. Es hat deshalb irreführend, wenn in Studien nur eine kurzzeitige Bestrahlung der Probanden vorgenommen wird um daraus Schlüsse zu ziehen.

Hecht untersuchte jahrelang Patienten mit chronischen Schlafstörungen, die durch Stressoren wie Lärm oder EMF ausgelöst werden können. Er erkannt folgende Sekundärfolgen von Schlafstörungen:

· Diabetis mellitus
· Hypertonie
· Herzattacken
· Schlaganfall
· maligne Tumore
· Asthma, Bronchitis
· Depressionen

Die Krankheitssymptome aus der wissenschaftlichen Forschung wurden durch die Berichte der Elektrosmoggeschädigten bestätigt und konkretisiert. Aus den Schilderungen von drei betroffenen Familien zeigten sich viele Parallelen auf:

· das Problembewusstsein für Mobilfunk war zunächst nicht vorhanden
· öffentliche Stellen haben falsche Angaben gemacht, z.B. der Sender ist noch nicht in Betrieb
· es erkrankte die gesamte Familie (Eltern, Kinder, Haustiere)
· die schulischen Leistungen der Kinder verschlechterten sich beträchtlich
· nach dem Umzug in eine andere Wohnumgebung waren die Beschwerden weg
· hohe wirtschaftliche Verluste durch Abschirmmassnahmen oder Aufgabe des Eigentums
· in einem Fall ergab sich eine chronische Elektroallergie
· ein Faradayischer Käfig funktioniert auf Dauer nicht

Für die Psychotherapeutin Dr. Christine Aschermann ergaben sich ab Ende 1997 vollkommen neue Krankheitsbilder in ihrer Praxis. Im Jahre 1998 kamen 18 Patienten, die körperlich sehr krank wirkten, ohne die Ursachen zu kennen. Christine Aschermann wusste damals auch noch nichts vom Mobilfunk. Sie fragte bei den Gesundheitsbehörden nach, bekam aber keine Hilfestellung.

Erst nach und nach kam sie auf den Mobilfunk als Störquelle. Sie konnte schliesslich die Patienten nach Regionen einteilen, die mehr oder weniger bestrahlt wurden.

Dr. Aschermann berichtete von folgenden Symptomen:
Fehlleistungen, Vergesslichkeit, Wortfindungsprobleme, Gelenkschwellungen, wirr im Kopf, ausrasten, manische (überschwengliche) Phasen, Depression, Ängste und Unruhe, zappeln und Grimassen schneiden, Potenzstörungen, Thrombose des Augennerves, Tinnitus. Einige Patienten hatten starre, glänzende Augen, andere ein geschwollenes Gesicht.

Naila - kein Einzelfall

Mehrfach hatte der Nailaer Arzt Dr. Eger in öffentlichen Vorträgen seine Kollegenschaft aufgefordert, die Nailastudie andererorts zu wiederholen. Diesem Aufruf ist nun der praktische Arzt Dr. med. Reinhold Jandrisovits aus Müllendorf (Österreich) gefolgt.

Auf dem Mobilfunksymposium stellte er seine Untersuchungsergebnisse vor. Dr. Jandrisovits betreut eine Gemeinde mit 1.200 Einwohner südöstlich von Wien. Als Hausarzt hat er rund 90% der Einwohner in seiner Kartei und kennt deshalb die Krankheitsverläufe sehr gut.

Von 2000 bis 2001 wurden in Müllendorf drei Mobilfunksender installiert. Ab dem Jahre 2002 verzeichnete der Mediziner eine Zunahme zunächst nicht erklärbarer Beschwerden wie z.B.

· Schlafstörungen
· Ruhelosigkeit
· Anspannung
· Erschöpfungszustände
· Wortfindungsprobleme
· Bluthochdruck und erhöhten Puls

Die Schlafstörungen gaben folgende Datenkette:
2001 - 16 Personen, 2002 - 47, 2003 - 80

Erst im Lauf des letzten Jahres brachte Dr. Jandrisovits die Beschwerden der Einwohner mit den Mobilfunksendern im Ort in Zusammenhang.

Er liess daraufhin mit einigen Probanden einen Test machen: Bei besonders starken Gesundheitsstörungen sollten diese Personen ein Aufzeichnungsgerät bedienen. Gleichzeitig wurde eine Langzeitaufzeichnung der Emissionsspitzen der Sendeanlagen durchgeführt.

Die Graphik zeigte eine verblüffende Übereinstimmung von Spitzen der Emission mit dem Ausmass von gesundheitlichen Störungen.

Dr. Jandrisovits arbeitet inzwischen mit der Landessanitätsdirektion in Salzburg eng zusammen.

Diese Arbeit zeigt auf, dass niedergelassene Ärzte die Möglichkeit haben, Ihre Daten aus den Patientenberichten mit dem Aufbau von Mobilfunksendern in Zusammenhang zu bringen. Der Aufruf von Dr. Eger und Kollegen aus Naila hat somit bereits einen Erfolg verzeichnet.

Joachim Weise
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